Vom ersten Tag an war seine Mutter misstrauisch gewesen gegenüber der »dürren Missgeburt«, wie sie seinen Freund Jouri noch immer nannte. Als Sohn eines Kollaborateurs hatte Jouri in den Niederlanden der fünfziger Jahre wahrhaftig nicht viel zu lachen, genausowenig wie der Erzähler selbst, der mit seinem eigensinnigen Humor und seinen Darmwinden Mitschüler und Lehrer gleichermaßen quälte. Als sich eines Tages die kleine Ria Dons tapfer an seine Seite stellt und ihm, gegen Bezahlung von fünf Cent, sogar erlaubt, sie zu küssen, ist das der Beginn einer schmerzlichen und lebenslangen Erfahrung - denn Jouri zerreißt das zarte Band der Zuneigung und spannt ihm ungerührt die Freundin aus. »Der Schneeflockenbaum« des niederländischen Romanciers Maarten 't Hart ist eine Geschichte um verlorene Lieben, ein lebenslanges Missverständnis und die Unverbrüchlichkeit der Freundschaft.
Nina Blazon führt uns in eine phantastische Welt, die dem Tod den Krieg erklärt hat. Die maskierte Lady Mar lebt in einer Zitadelle im hohen Norden einer namenlosen Welt. Ihre Diener reisen zwischen der Zeit und erleichtern Sterbenden durch einen Kuss den Übergang. Einige Menschen ahnen, dass die mysteriöse „Lady Tod“ kein Mensch ist und sind entschlossen, ihre Macht durch Krieg zu brechen. Die junge Summer, die seit einem Unfall ihr Gedächtnis verloren hat, reist ruhelos in immer neuen Identitäten durchs Land, in Angst vor dem Blutmann, der sie in Alpträumen verfolgt. Immer weiter nordwärts kommt sie schließlich ihrer Vergangenheit auf die Spur.
„ …und fest auf der Erde“ heißt es im Untertitel. Bodenständig, trotz aller nationalen und internationalen Berühmtheit „normal“ geblieben, erzählt Loki Schmidt dem Leser von Wechselbädern im Weißen Haus, den Frikadellen a la Adenauer, den nächtlichen Gesprächen mit ihrem Mann im Anschluss an große Empfänge und vielem mehr. Im Gespräch mit Dieter Buhl hält sie so Rückblick auf ihr reiches Leben, von dem sie sagt „es ist weitaus mehr gewesen, als ich mir je vorgestellt habe“.
Ein kleines Mädchen irrt traumatisiert auf einer Straße im Lilliputviertel von Poole in England umher. Zur selben Zeit wird die Leiche einer jungen, nackten und schwangeren Frau am Strand bei Chapman's Pool entdeckt. Sie ist das Opfer einer Vergewaltigung. Walters ist bekannt dafür, den Stoff ihrer Geschichten aus Gesprächen mit Häftlingen zu verwenden und umzuarbeiten. Das lässt ihre Romane glaubhaft wirken. Erbarmungslos werden die Biographien der Hauptverdächtigen sowie des Opfers ans Tageslicht gezerrt. Die Charaktere sind gut herausgearbeitet. Ein Roman, den man in einem Zug verschlingt wie einen guten Lunch.
Normalität bedeutete das Verlässliche in der Gesellschaft. Es war jene Zeit, als die Familie noch eine lebenslange Schicksalsgemeinschaft bedeutete und sich nicht ein- und ausschalten ließ wie ein Pay-TV-Programm. Damals begann nach der Ausbildung der »Ernst des Lebens« und nicht das nächste Praktikum. Es war jene Zeit, als man drei Freunde im Café traf und nicht 500 Freunde auf Facebook. Das Kennzeichen unserer Zeit ist das Verschwinden der vielen Selbstverständlichkeiten. Millionen von Menschen spüren die Überforderung. Steingart berichtet in seinem schwungvollen Essay von dem, was geht, was bleibt und was kommt.
Die feine Gesellschaft Limas, Mitte der 1950er Jahre: Julia, 32 Jahre, hübsch, quirlig und frisch geschieden, ist zu ihrer Schwester in die Hauptstadt gereist, um sich nach einem neuen Ehemann umzusehen. Bis die passende Partie gefunden ist, vertreibt sie sich die Zeit mit ihrem Neffen Mario. Auf dem 18-jährigen Jurastudenten ruhen alle Hoffnungen der Familie. Aber Mario möchte Schriftsteller werden. Er träumt von Paris - und neuerdings auch von Tante Julia. Ehe sich die beiden versehen, wird aus dem kleinen Flirt eine ernsthafte Liebe. Als die Familie davon Wind bekommt, will sie einen Skandal vermeiden - und die beiden um jeden Preis wieder auseinander bringen.
Nino Haratischwili kommt mit ihrem Roman Mein sanfter Zwilling zu uns. Selten waren wir so neugierig auf eine Autorin: Jahrgang 1983 (!), in Georgien geboren, Autorin vieler Theaterstücke, die sie teilweise selbst inzeniert hat - und nun hat sie bereits ihren 2. Roman geschrieben!
Rabinovici stellt uns in seinem packend erzählten Roman, das 2010 auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis stand, eine jüdische Familie vor, die im Verlauf der Geschichte kräftig durcheinander gewirbelt wird. Es geht um das eigene Selbstverständnis und die Suche nach Identität, um das Fremdsein im eigenen Land und die ständige Suche nach einer Heimat. Und das alles ist spannend und dabei komisch und auch ein bisschen traurig erzählt.
Wir planen eine Busfahrt zur Leipziger Buchmesse! Morgens geht es bereits um 7 Uhr los, und Sie müssen einen langen Tag einplanen. Wir sind noch in der Planung, aber den Termin können Sie schon einmal notieren!
In diesem Falle beträgt der Vorteil für Mitglieder gegenüber dem unten angegebenen Normalpreis 7,00 € und nicht nur die üblichen 5,00 €.
In unserer diesjährigen Hauptversammlung wollen wir uns neben den üblichen Berichten gerne miteinander darüber austauschen, welche Wünsche Sie an die Programmgestalter haben.
Kommen Sie einfach zum wechselseitigen Gespräch und lebendigem Vereinsleben. Im Literaturverein sind nur nette Menschen.
Jane Austen bittet zum Tee. Die Berliner Schauspielerin Ina Rudolph hat eine Zeitreise vorbereitet, in der sie uns in das England des 18. Jahrhunderts entführen wird – stilvoll mit Tee und süßem und salzigem Gebäck